Helgoland mit Hund – unser Tagesausflug ab Büsum mit der Funny Girl

Schaf auf Helgoland an der Felsenkante stehend

Helgoland stand schon lange auf unserer Wunschliste.

Deutschlands einzige Hochseeinsel, rote Steilküsten mitten in der Nordsee, Seevögel, Kegelrobben, Geschichte und ein bisschen Seefahrer-Romantik – das klang einfach nach einem besonderen Ausflug. Also machten wir uns im Frühsommer gemeinsam auf den Weg: mein Mann, ich und natürlich unsere Hündin Marie. Unser Startpunkt war Büsum. Von dort ging es morgens mit der Funny Girl Richtung Helgoland.

Mit Hund auf die Fähre – ein echter Pluspunkt

Schon beim Einsteigen machten wir eine Erfahrung, die uns bis heute positiv in Erinnerung geblieben ist. Da wir mit Hund unterwegs waren, bot uns die Besatzung aktiv einen Tisch im Innenbereich an – und zwar möglichst mittig im Schiff. Der Grund: Dort sind die Bewegungen des Schiffes am geringsten spürbar.

Deck der MS Funny Girl bei der Überfahrt von Büsum nach Helgoland
MS Funny Girl
Helgolandkai im Hafen von Büsum
Helgolandkai in Büsum

Alleine wäre ich auf diese Idee vermutlich gar nicht gekommen. An unserem Reisetag war die Nordsee freundlich und wir hatten kaum Wellengang. Trotzdem fand ich den Hinweis großartig. Wer empfindlich auf Seegang reagiert oder mit Hund reist, sollte diesen Tipp unbedingt im Hinterkopf behalten.

Weil an diesem Tag insgesamt nicht allzu viel Betrieb war, blieb sogar Zeit für den einen oder anderen kleinen Schnack mit der Crew. Und Marie schaffte etwas, das nicht jedem gelingt: Sie gewann die Gunst des Schiffskochs.

Mit ihren langen Ohren, ihrem frechen Blick und ihrer völlig entspannten Art eroberte sie schnell die Herzen an Bord. Als wir später wieder von Bord gehen mussten, versuchte man sogar noch, mich zu überzeugen, Marie doch einfach auf dem Schiff zu lassen. Dafür müsse sie lediglich zum „Seehund“ werden. Das Prädikat hätte sie nach dieser Überfahrt durchaus verdient. Und singen kann sie auch wie ein Seehund. Aber nein, meinen Hund gebe ich nicht her. Vorher friert die Nordsee zu.

Labskaus auf See

Klassisch servierter Labskaus auf der Fähre nach Helgoland
Hündin Marie entspannt an Bord der MS Funny Girl
Marie meistert die Überfahrt nach Helgoland völlig entspannt.

Wir hatten die Überfahrt bewusst inklusive Verpflegung gebucht. Der Grund war einfach: Wir wollten endlich einmal Labskaus probieren.

Und was soll ich sagen? Es war überraschend lecker. Das norddeutsche Traditionsgericht wurde ganz klassisch serviert – mit Roter Bete, Spiegelei, Gewürzgurke und Matjes. Deftig, herzhaft und irgendwie genau das Richtige für einen Tag auf See.

Die Überfahrt dauert rund zweieinhalb Stunden. Das klingt zunächst lang, verging für uns aber überraschend schnell. Erst ein gutes Labskaus an Bord, dann immer wieder der Blick hinaus aufs Meer – und ehe wir uns versahen, tauchten die roten Felsen Helgolands am Horizont auf.

Helgoland – Deutschlands einzige Hochseeinsel

Viele denken bei Nordseeinseln zuerst an Sylt, Föhr oder Amrum. Helgoland ist jedoch etwas völlig anderes. Die Insel liegt rund 70 Kilometer vom Festland entfernt mitten in der Deutschen Bucht und gilt deshalb als Deutschlands einzige Hochseeinsel. Schon die Ankunft fühlt sich anders an. Das Meer nimmt kein Ende. Die Luft wirkt klarer. Die Farben kräftiger. Bunte Häuschen grüßen am Hafen. Und oben sieht man sie: Die berühmten roten Felsen Helgolands.

Eine Insel mit erstaunlicher Geschichte

Je mehr man sich mit Helgoland beschäftigt, desto faszinierender wird die Geschichte. Die Insel gehörte im Laufe der Jahrhunderte zu Dänemark, später zu Großbritannien und wurde erst 1890 deutsch. Viele kennen die Geschichte nur als den berühmten „Tausch Helgoland gegen Sansibar“. Ganz so einfach war es zwar nicht, aber der Kern stimmt:

Im sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag erhielt Deutschland die Insel Helgoland, während Großbritannien im Gegenzug weitreichende Interessen in Ostafrika absicherte. Durch ihre Lage wurde die Insel später zu einem wichtigen Marine- und Festungsstandort. Im Zweiten Weltkrieg spielte Helgoland als Marinebasis und U-Boot-Standort eine wichtige Rolle. Nach dem Krieg sprengten die Briten große Teile der militärischen Anlagen mit einer gewaltigen Explosion – damals die größte nicht-nukleare Sprengung der Geschichte. Wenn man heute über die Insel läuft, begegnet man dieser Geschichte immer wieder.

Unser Rundweg über die Insel

Was macht man mit vier Stunden bis das Schiff wieder ablegt? Für uns war klar: auf jeden Fall laufen wir den Rundweg über das Oberland. Das würde ich jedem empfehlen, der Helgoland zum ersten Mal besucht. Entlang der Wege stehen zahlreiche Infotafeln. Man erfährt etwas über die Natur, die Geologie und die bewegte Geschichte der Insel.

Der Weg führt vorbei an ehemaligen Befestigungen, Bombenkratern und immer wieder zu fantastischen Aussichtspunkten.

Und natürlich kommt irgendwann der Moment, auf den vermutlich jeder Fotoapparat wartet: freier Blick auf die Lange Anna. Der rund 47 Meter hohe Felsen ist das Wahrzeichen Helgolands und wirkt in Wirklichkeit noch beeindruckender als auf Fotos.

Selfie eines Ehepaars vor der Langen Anna auf Helgoland

Seevögel überall

Für Naturfreunde ist Helgoland ein kleines Paradies. Die steilen Felswände gehören zu den wichtigsten Brutgebieten für Seevögel in Deutschland. Basstölpel, Trottellummen, Dreizehenmöwen und viele andere Arten nutzen die Felsen jedes Jahr als Brutplatz.

Nahaufnahme eines Basstölpels auf Nest auf Helgoland
Tausende Basstölpel brüten jedes Jahr auf den Felsen
Seevögel auf den Felsen der Hochseeinsel Helgoland
Blick auf das nördliche Ende von Helgoland

Selbst wer sich normalerweise nicht intensiv mit Vogelbeobachtung beschäftigt, bleibt dort automatisch stehen. Das Kreischen. Die Flugmanöver. Die engen Felsnischen. Die Nähe zu den Nestern. Man merkt schnell, dass diese Insel nicht nur ein Urlaubsziel ist, sondern ein wichtiger Lebensraum. Das ist schon etwas Besonderes. Ich fühle mich plötzlich wie in einer Naturdokumentation – neben mir taucht bestimmt gleich Andreas Kieling auf.

Traurig bemerkt der aufmerksame Beobachter auch die vielen Netzstücke und anderer Müll, die in Nestern verbaut sind und überall herumliegen.

Unser Fazit zum Tagesausflug

Und genau hier kommen wir zu unserem einzigen echten Kritikpunkt: Die Zeit. Wir hatten den klassischen Tagesaufenthalt auf der Insel. Bei normalem Wellengang braucht das Schiff ab Büsum 2,5 Stunden – wir legten 09:30 Uhr ab und ziemlich genau um 12:00 Uhr auf Helgoland an. Rückfahrt 16:00 Uhr.

Für uns war das am Ende etwas zu knapp. Zu gerne wären wir gemütlich eingekehrt. Wenn man jedoch den Rundweg genießen möchte, die Infotafeln liest, bei der langen Anna die obligatorischen Fotos schiesst und vielleicht noch einen kleinen Duty-Free-Einkauf tätigt, dann wird alles weitere sportlich.

Ein entspanntes Restaurantessen wäre für uns zeitlich kaum möglich gewesen. Deshalb würden wir beim nächsten Mal definitiv eine Übernachtung einplanen. Dann könnte man die Insel deutlich ruhiger erleben und anderes planen.

Zum Beispiel den Besuch des Bunkers und natürlich mit der Dünenfähre auf die Düne überzusetzen. Dort kann man relativ sicher Kegelrobben und Seehunde sehen. Das ist der Hauptgrund für viele Besucher. Je nach Jahreszeit liegen zahlreiche Tiere am Strand oder im flachen Wasser. Im Winter wie im Sommer lassen sich häufig Tiere beobachten. Wichtig ist, den vorgeschriebenen Mindestabstand einzuhalten. Die Düne ist deutlich ruhiger als die Hauptinsel und bietet wunderschöne helle und feine Sandstrände. Wer einfach mal die Füße ins Wasser halten oder die Ruhe genießen möchte, ist hier richtig.

Anreise-Tipp aus Friedrichskoog-Spitze

Für Gäste unserer Ferienhäuser ist Helgoland überraschend gut erreichbar. Viele denken sofort an Büsum. Eine weitere interessante Möglichkeit sind jedoch die Verbindungen ab Brunsbüttel. Gerade für Urlauber in Friedrichskoog-Spitze kann das je nach Fahrplan eine praktische Alternative sein. Ein Blick auf die aktuellen Fahrzeiten lohnt sich deshalb immer.

Klugscheißer-Ecke: Warum Seevögel alte Fischernetze lieben

Ich erwähnte die Netze schon. In jedem zweiten Nest konnte man Reste alter Fischernetze erkennen. Natürlich wusste ich schon, dass Plastik und die sogenannten Geisternetze ein großes Problem für die Meere sind. Aber die Menge erschreckte mich. Was ich damals aber noch nicht wusste: Viele Seevögel sammeln diese Netzreste sogar ganz gezielt als Nistmaterial. Die Fasern sind stabil, leicht und lassen sich gut verbauen. Genau das macht sie für die Tiere überaus attraktiv. Leider wird daraus oft eine tödliche Falle.

Immer wieder verheddern sich Altvögel oder Küken in den Kunststofffasern und können sich nicht mehr befreien. Sie verhungern jämmerlich oder Erwürgen sich. Später habe ich dazu spannende Informationen von jungen Mitarbeitenden der Schutzstation Wattenmeer bei meinem Bernsteinfschleifkurs erhalten. Dort erzählte man mir von wissenschaftlichen Untersuchungen, bei denen man hoffte, durch andere Farben – beispielsweise Blau statt Orange – die Attraktivität oder Sichtbarkeit der Netze für die Vögel zu reduzieren. Die Vermutung war, dass die Netze im Wasser weniger auffallen würden. Doch Vögel sehen Farben anders als wir Menschen. Viele Arten können sogar Bereiche des UV-Spektrums wahrnehmen. Die Versuche brachten also leider nichts. Sehr schade, wie ich finde.

Würden wir Helgoland wieder besuchen?

Ja, müssen wir. Der Tag war viel zu kurz. Wir werden noch einmal hinfahren.

Die Mischung aus Natur, Geschichte, Nordsee, Seevögeln und dieser ganz besonderen Inselatmosphäre hat uns nachhaltig begeistert.

Und Marie?

Die wäre vermutlich wieder dabei, wenn ihr Freund aus der Schiffsküche an Bord ist. Den Rest hat sie als gar nicht so aufregend empfunden wie wir. Könnte ich sie fragen, wäre es ja schonmal interessant, ob Schnuppern auf der Hochseeinsel anders ist.

Steilküste auf Helgoland entlang des Klippenrundwegs
Mann mit Hund Marie auf Helgoland vor der Langen Anna
Gemälde der Insel Helgoland von Dieter Kruse
Blick entlang des Inselrundwegs auf Helgoland

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