Eintrittskarte in ein Weltnaturerbe: endloses Watt

Salzwiesen

Naturwunder unter den blanken Füssen: Wattenmeer.

Wenn man mit den Gummistiefeln durchs nasse Watt schlappt, denkt man an vieles – ob der Stiefel gleich stecken bleibt, wie tief dieser Matsch wohl geht oder an eine tote Tante im Curry-Teufel an der „Spitze“, wenn man aus dem Watt zurück ist.

Aber selten denkt man daran, dass man gerade durch ein UNESCO-Weltnaturerbe läuft.

Und doch – genau das tut man.
Denn das Wattenmeer ist nicht irgendeine Küste. Es ist ein global einzigartiger Naturraum, den man eigentlich mit einem Hauch Ehrfurcht betreten müsste – also barfuß! Und traut euch das ruhig – denn der freigelegte Meeresboden ist erstaunlich warm, nicht nur im Sommer.  


Was macht das Wattenmeer so besonders?

  • Es ist die größte zusammenhängende Wattlandschaft der Welt – über 10.000 Quadratkilometer in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden.
  • Hier leben mehr als 10.000 Arten von Pflanzen, Tieren, Wattwürmern, Muscheln, Schnecken, Krebsen – das Who’s Who des Nordseelebens. Kennt ihr schon die Herzmuschel?
  • Und dann sind da noch die Vögel ❤️: Millionen von Zugvögeln rasten hier auf ihrer Route zwischen Afrika und Sibirien. Für sie ist der Zwischenstopp auf ihrer sehr langen Route essentiell wichtig.
  • Das Watt arbeitet ununterbrochen. Ebbe, Flut, Wanderdünen, Priele – hier verändert sich ständig alles. Nur eines bleibt: die Schönheit. Bizarr im Winter mit Frost und Eisschollen. Sommer an der Nordsee kann jeder.
  • Auf einem einzigen Quadratmeter Wattboden leben tausende Individuen verschiedener Arten – es ist eine enorme Biodiversität. Sie bildet die Grundlage für den Vogelzug und das gesamte ökologische Gleichgewicht der Nordseeküste.

Das heisst also: Wer durchs Watt läuft, läuft durch ein Weltwunder – ganz ohne Eintrittskarte.

Wattwandern mit Hund in Friedrichskoog?

Löst euch diese Eintrittskarte unbedingt, wenn ihr da seid – die Schutzstation Wattenmeer (über Tourismus Service) bietet geführte Wattwanderungen und Salzwiesenführungen für ganz kleines Geld, sowie einen 360° Vortrag im Haus des Kurgastes an. Es ist unheimlich wissenswert. Alleine ins Watt zu gehen, ist keine gute Idee – auch wenn es harmlos aussieht. Strömungen, Schlicklöcher und auflaufendes Wasser können schneller zur Gefahr werden, als man denkt. Jedes Jahr müssen Menschen aus dem Watt gerettet werden – in der Regel weil sie die Natur völlig unterschätzt haben. Und man erfährt ausserdem nichts. Für mich als Freizeitforscher also gleich zwei gute Gründe 😉. Und danach entspannt ihr mit eurem Vierbeiner am Hundestrand von Friedrichskoog-Spitze.

Und wenn ihr dann im Watt auf dem Meeresboden steht, die Füße eingesunken, dann denkt ihr dran, dass dieser Ort nicht selbstverständlich und schützenswert ist.

Basstölpel mit aufgefächerten Flügeln

Marner Plate

Die Marner Plate ist ein faszinierender Teil des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeers – direkt vor Friedrichskoog gelegen. Dieser Wattbereich gehört zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, dem größten seiner Art in Mitteleuropa. Bei Ebbe wird hier eine riesige Wattfläche sichtbar, die Lebensraum für unzählige Arten bietet: von Wattwürmern und Herzmuscheln bis zu Zugvögeln, die hier rasten und fressen. Besonders spannend: Die Plate verändert sich ständig – durch Gezeiten, Strömungen und Wind entstehen neue Priele, Sandbänke und Schlickflächen.

Und was ist das für eine Plattform da am Horizont, wenn man op‘n Diek in Friedrichskoog steht?

Die Ölplattform Mittelplate im Wattenmeer

Das ist die Erdölbohrplattform Mittelplate A. Mitten im UNESCO-Weltnaturerbe steht sie wirklich: ein technischer Fremdkörper inmitten des sensiblen Wattenmeers! Ab 2.000 Metern Tiefe liegt das, was als das größte Ölfeld Deutschlands gilt. Es mutet seltsam an. Wie passt denn das zusammen? Die Ölbohrplattform wurde bereits 1985 genehmigt, lange bevor das Wattenmeer 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde.

Deich Friedrichskoog mit Ölbohrplattform Mittelplate A im Hintergrund

Sie hat jedenfalls Bestandsschutz. Das heisst: Sie darf weiter betrieben werden. Heute würde keine Genehmigung mehr dafür erteilt.

In der Deichpassage in Friedrichskoog-Spitze hat der Betreiber Wintershall Dea einen Info-Shop. Man bemüht sich um hohe Sicherheitsstandards. Das kann ich nur hoffen. Die Plattform gilt als technisch besonders abgesichert und wird regelmäßig überwacht – dennoch bleibt sie ein sichtbares Symbol des Spannungsfelds zwischen Energiegewinnung und Naturschutz.

Zumindest ist ein Bild mit dieser Plattform im Hintergrund immer eindeutig wieder zu erkennen: Friedrichskoog. Und doch bleibt das Wattenmeer selbst der eigentliche Hauptdarsteller – ein Naturraum, der größer ist als jede Plattform.


Hintergründe zu den Gezeiten und warum sich das Meer zweimal täglich zurückzieht, finden Sie in unserem Beitrag Ebbe und Flut an der Nordsee.

Wer das Wattenmeer nicht nur theoretisch, sondern direkt vor Ort erleben möchte, kann den Erlebnisrundweg in Friedrichskoog-Spitze nutzen – mit weiten Blicken über Deich und Watt.

Einen umfassenden Überblick über Natur, Hundeurlaub und Ausflugsmöglichkeiten in der Region bietet unser Übersichtsartikel Urlaub mit Hund in Friedrichskoog-Spitze. Weitere Anregungen, um die Natur der Nordseeküste zu erleben, sammelt unsere Kategorie Natur erleben.

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